Der Weg ist das Ziel

Der Weg ist das Ziel

Die am Mittwoch veröffentlichte Info von Borussia zum finanziellen Jahresabschluss sowie das Kurzinterview mit Herrn Schippers gab mir einen weiteren Denkanstoß zum Thema Haltung in Zeiten einer Pandemie.

Was ist eigentlich wichtig? Was ist wertvoll und muss bewahrt werden, und was kann weg?

 


Der Blick 10 Jahre zurück macht es noch mal sehr deutlich: Als Tabellenletzter stand das Derby vor der Tür. Mit Marc-André ter Stegen gab ein 18-jähriges Talent sein Debüt. Die „Initiative“ plante mit Investoren-Versprechen die große Revolution, und die „Offensive“ stellte sich mit „Stärkung des Mitglieder-Vereins“ vehement dagegen. Wir als FPMG stellten uns nach vielen intensiven Gesprächen mit allen Parteien hinter die Werte des „Mythos Borussia“. Das Ende der Geschichte ist bekannt: Der FC wurde mit 5:1 vom Platz gefegt. MAtS zeigt inzwischen seine Weltklasse in Barcelona. Max hat sich mehrfach als erfolgreicher Baumeister einer Borussia bewiesen, die trotz der finanziellen Nachteile gegenüber den Konzern-Sportabteilungen (WOB/LEV/RBL) sowie den CL-Dauergästen Bayern und BVB gegen die Großen „anstinken“ konnte. Das macht uns stolz, und das ist der Wert, den wir als oberstes Gut betrachten:

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Mit dem Erfolg, „wieder in Europa“ dabei sein zu dürfen, wurde dieser gemeinsame Weg bestätigt, und nach vorherigen 15 Jahren der Abstiege, dem Zweitliga-Dasein und der Abstiegskämpfe von 1997-2011 gab uns die Zeit ab Sommer 2011 wieder unser Selbstbewusstsein zurück: Borussia ist nicht nur im Zusammenhalt in schweren Zeiten „der geilste Club der Welt“, sondern sportlich wieder eine Adresse im europäischen Fußball...

Natürlich ist es erstrebenswert, sich in diesen Gefilden der Liga dauerhaft zu etablieren. Aber geht das mit unserem Weg, vor dem Hintergrund der anstehenden Reform der CL, die nur das Ziel hat, die ohnehin schon superreichen Konzern- oder Staats-Clubs noch superreicher zu machen?

Daher ist die Formel „Erfolg nicht zu jedem Preis“, die Borussia mit der Aussage „Werte und Haltung sind wichtiger als der Tabellenplatz“ verbindet, auf jeden Fall der richtige Weg, den wir Fans weiter mit Leidenschaft mitgehen werden. Andere Vereine haben mit „Wetten auf die Zukunft“ Geld ausgegeben, welches sie im Falle eines Erfolges vielleicht in Zukunft wieder einnehmen könnten. Im Gegensatz zu diesen kommen wir mit erträglichen Verlusten durch die Pandemie. Das ist ebenfalls ein Wert, der uns stolz machen kann.

Zum Schluss komme ich letztmalig zur „Causa Rose“. Eins vorneweg: Im Gegensatz zu aktuellen Beispielen andere Vereine ist es mit Sicherheit eine durchaus positive Haltung, KEINE „Hire and Fire“ Mentalität zu haben, und auch mal eine sportliche Talsohle ohne panischen Trainerwechsel durchzustehen. Aber die Wucht der Wut und Enttäuschung, die der Wechsel von Marco Rose bei uns ausgelöst hat, ist vor allem damit begründet, dass wir seinen Worten zu Beginn seiner Amtszeit uneingeschränkt geglaubt haben, dass er trotz der klaren Aussagen von Max an ihn über die finanziellen Gegebenheiten sich mit uns gemeinsam auf den Weg machen möchte, „...etwas Großes zu schaffen...“. Doch statt durch einen langen gemeinsamen Weg für uns ein Teil des Mythos zu werden, verlässt er kurzerhand die Stadt für eine andere Braut mit einem größeren Scheckbuch...

Der Stachel der Enttäuschung sitzt daher nach wie vor sehr tief, und wir Fans sind an dieser Stelle nun mal emotional und werden es nicht ablegen. Das ist unsere Haltung, und die unterscheidet sich allein nur in diesem Punkt mit der Haltung der rational handelnden Geschäftsführung. Aber alles andere aus unserem gemeinsamen Weg seit 2011 haben wir als FPMG nie in Frage gestellt. Insbesondere Max hat unser vollstes Vertrauen, nach wie vor die richtigen Akteure für die Spielphilosophie der „Fohlen“ zu finden und weiterhin die Durchlässigkeit der eigenen Talente in den Profikader zu fördern. Das ist unsere Borussia!

Daher das klare Signal an die Mannschaft: Wir dürfen zwar nicht im Stadion stehen, aber wir stehen auch in der heutigen Zeit uneingeschränkt hinter Euch. Denn IHR seid unsere Borussia auf dem Platz! Und da zählen wir auf Euch für die verbleibenden sieben Spiele. „Auf geht‘s Jungs - schießt ein Tor für uns...“